Samstag, 3.9. Kerman - Schiras (1.300.000 EW), 571 km

Heute geht es in das tiefe Innere Persiens. Eine lange, aber hochinteressante Fahrt. Gleich nach Kerman gehts ins Gebirge, ewig lange Steigung, die schwer beladenen LKW sind nicht viel schneller als mit Schritttempo unterwegs. Auf der anderen Seite gehts dann wieder ziemlich heftig abwärts, dann folgt Wüste. Fast 100 km links und rechts nichts außer Wüste - und eine Stromleitung. Ab und zu ein Auto, einige LKWs - und sonst nix. Nicht ein Baum ist zu sehen, nur niedrige Gras(?)büschel bedecken die endlosen Schotterflächen. Bitte nur hier in dieser Gegend keine Panne - oder gar einen Kupplungsschaden ...

Nach Sirjan gehts wieder ins Gebirge, das noch höher als das nach Kerman ist, wiederum eine Herausforderung für die LKW. Auf dieser Seite im Schritttempo viele KM hinauf, auf der anderen Seite das selbe wieder hinab ins Flachland.

Bei Estahban ist plötzlich wieder viel Vegetation: mit System gepflanzte Büsche bzw. Bäume, viele davon mit Netzen abgedeckt. Klar bin ich neugierig und erkunde einen Baum: Blätter so ähnlich wie bei einem Feigenbaum, Früchte auch. Da hilft nur ein Geschmackstest, es sind Feigen, allerdings nur so groß wie die Kirschen bei uns. Irgendwo hinter einem nahen Baum bellen ein paar Hunde, ich ziehe es vor, keine Feigen zu ernten und fahre weiter.

Plötzlich beginnt es zu regnen, kurz danach sorgt ein kräftiger Sandsturm für Abwechslung, dann begleiten mich Schwärme von Libellen auf einigen Kilometern. Kilometerlang sind dann abgeerntete Reisfelder auf beiden Seiten der Straße, dann kommt der große Salzsee, ich bin ca. 60 km vor Schiras. Natürlich erkunde ich den See und schaue durch den hohen Zaun in die Salzfabrik. Und wenn der See wieder Wasser haben sollte, dürfte auch der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden ...

Gegen 17 Uhr erreiche ich Schiras und lasse mich vom Navi durch die Rushhour zum FOROUGH-Hotel lotsen. Als Adresse hat das erst kürzlich eröffnete Hotel nur BESIDE ART MUSEUM, Straße, Hausnummer und Homepage gibts keine. Ich hab mir in Kerman auf Google-Maps die Koordinaten des Museums herausgesucht und sozusagen ins Blaue navigiert - PFOA, geschafft und punktgenau gelandet. Nicht nur von der langen Fahrt und den vielen Eindrücken, vor allem aber durch den Verkehr in Schiras war ich ziemlich geschlaucht. 4spurige Straße, auf der aber meistens 6 Autos nebeneinander fahren. Vorrang bei Kreuzungen und in Kreisverkehren hat derjenige, der sich am wenigsten schei..... Ich glaub, ich hab ganz gut mithalten können, müsste solche Fahrten aber nicht täglich machen.

Ich lasse mir ein Restaurant empfehlen und am Weg dorthin lerne ich gleich Teile des Basars kennen - und ein paar Geschäftsstraßen. Unvorstellbar, was sich hier abspielt - ein Geschiebe und Gedränge, Mopeds und Motorräder kommen am Gehweg (= shared Space) oder gegen die Einbahn daher, die wenigen Autos, die hier unterwegs sind, kommen kaum vorwärts. Ich esse ausgezeichnet - und für iranische Verhältnisse aber auch nicht billig. Ca. 18 Euro für Salat-Bar, Reis, gebratenes Lamm mit mehreren Beilagen und eine Flasche Wasser.


Sonntag, 4.9.

Im Hotel hat man mir gesagt, vor 9 Uhr ist der Verkehr noch erträglich, dann wird es HEAVY FOR YOU. Ich mache mich also um 3/4 9 auf die Fahrt und komme ganz gut hinaus auf die Autobahn nach Persepolis - eines der bedeutendsten Zeugnisse der antiken Kultur im Nahen und Mittleren Osten: die frühere Hauptstadt der Achämeniden, (UNESCO Weltkulturerbe), eine der faszinierendsten Ruinenstätten der Welt mit den gewaltigen Palastruinen und dem "(Eingangs-)Tor aller Völker".

Ich hatsche ca. 3 Stunden auf dem weitläufigen Gelände herum, muss mehrmals die Fragen WHERE ARE YOU FROM and HOW ARE YOU beantworten, auch für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung stehen (Austausch dann per Bluetooth) und bin am Nachmittag wieder im Hotel.

Am späteren Nachmittag mache ich mich nochmals auf den Weg zum Basar, gleich in der Nähe vom Hotel zeigt mir ein Mädchen ganz stolz ihr Haustier. Ich erkunde weitere Teile des riesigen Basars, trinke in einer alten Karawanserei einen sehr guten Kaffee und auf die üblicher Frage "where are you from" bemerke ich, dass der Wirt ganz gut deutsch spricht. Er war ein Jahr in Vöcklabruck im Krankenhaus beschäftigt, musste aber nach Ablauf des Visums wieder ausreisen. Ich bummelte weiter, natürlich nicht ohne die Orientierung zu verlieren. Nach einigen vergeblichen Versuchen finde ich endlich jemanden, der ortskundig ist UND Englisch spricht. Naja, zwei mal um die Ecke und war schon wieder am richtigen Weg.


Montag, 5.9.

Um 9 Uhr mache ich mich auf die Fahrt zum Flughafen, um das Leihauto zurück zu bringen. Das Ziel AIRPORT ist in den Navi-Daten nicht vorhanden, Straßenbezeichnung auch nicht - aber was solls, grob kenn ich die Richtung und ein internationaler Flughafen wird ja wohl angeschrieben sein. Irrtum. Bald nach dem Hotel eine Tafel, das wars dann. Bei einer Tankstelle frage ich nach dem Weg, aber da weiss niemand, was Airport bedeutet. Also weiter gefahren und bei Rot auf einer großen Kreuzung im Auto links neben mir die Beifahrerin nach dem Weg gefragt. Die zögert nicht lang und sagt einfach: FOLLOW US. Nach ein paar Km plötzlich ein Überkopfwegweiser zum Flughafen, sie winkt aus dem Auto heraus und ich bin glücklich. So ein Verhalten im Straßenverkehr gibts nicht oft. Obwohl alle fahren wie die Wilden, hilfsbereit sind die Iranis allemal. Die Rückgabeprozedur dauert eine halbe Stunde und dann fahre ich mit dem Taxi zurück in die Stadt.

Ich spaziere einen guten Kilometer zum Karimkhan-Castle, das mir besonders durch seinen sehr schiefen Eckturm gefällt.

Von aussen ganz normal, aber innen einfach sensationell: die Aliybne-e Hamzeh-Moschee. Sämtliche Wände sind mit kleinen färbigen Glas- und Spieglstücken verkleidet, bis hinauf in die Kuppel. Man glaubt, in einem Glaspalast zu sein, das Licht bricht sich in vielen Farben, einfach genial.

Danach schaue ich mir noch das Grab des Hafis in einem wunderschönen Garten an. Und nicht nur hier fällt mir auf, dass die Parkanlagen nicht nur zum Anschauen da sind, sondern auch zum Benutzen. Viele Familien haben ihre Decken auf der Wiese ausgebreitet und picknicken. Weit und breit, keine Tafel, wo steht: Rasen betreten verboten, ist nur zum Anschauen da...

Mit einem toll schmeckenden Eis in der Hand mache mich auf den Rückweg zum Hotel, die Nachmittagshitze tausche ich gegen mein klimatisiertes Hotelzimmer, bevor es am Abend wieder in den Vakil-Bazar geht.


Dienstag, 6.9.

Heute besichtige ich das Highlight von Shiraz: den Schrein (Begräbnisstätte, Schäh-e Tscherägh) von Amir Ahmad. Millionen kleine Spiegelstücke bedecken die Säulen, Wände und die riesige Kuppel, gemischt mit mehrfarbigen Glaskacheln. Das Gitter um den Schrein besteht aus massivem Silber, der Sarg selber befindet sich 7 Meter tief im Boden, damit er bei einer eventuellen Zerstörung der Moschee geschützt ist.

Gleich anschließend dann die Atigh-Moschee (linkes Bild), die trotz ihrer Schönheit neben dem Schah Tscheragh verblasst.


Mittwoch, 7.9, Flug von Schiras nach Teheran (8.000.000 EW, mit Vororten ca. 13 Mio)

Um halb 1 fliege ich von Schiras eine gute Stunde nach Teheran und genieße die Aussicht auf die "Landschaft" weit unter mir. Der 2. Flughafen von Teheran, Mehrabad, ist eigentlich mitten in der Stadt, der Landeanflug führt über dicht bebautes Gebiet, die letzten Kilometer sehr dicht über den Häusern. Teheran - die Hauptstadt. Smog und katastrophaler Verkehr, Menschenmassen und hoffnungslos verstopfte Straßen, überfüllte Bahnen und Busse. Vom Flugzeug aus betrachtet: Wohnhäuser bzw. Wohnblöcke, so weit das Auge reicht. Und ein Gitternetz von Straßen: einspurig, zweispurig, dreispurig, vierspurig. Und Kreisverkehre mit Kurven und Radien fast im Kilometerbereich. Ich kaufe mir gleich in der Ankunftshalle bei einem der zwei Taxi-Schalter ein Ticket um 7,50 EURO und werde von einem sehr mürrischen Herrn in die Stadt gebracht. Ca. 30 Minuten dauert die Fahrt, die nix für schwache Nerven ist. Klimaanlage funktioniert nicht, dafür dröhnt das Radio. Ganz sicher ist sich mein Fahrer nicht, wo das PARASTO-Hotel ist, schließlich findet er es doch.

Teheran ist eine Stadt, die für meinen Geschmack eigentlich nicht viel bietet: auf Tripadvisor werden mehrere Museen, Parkanlagen und Paläste angeführt, wobei der Golestan-Palast der schönste sein soll. Für heute habe ich nicht mehr viel am Programm, gegen Abend nehme ich mir ein Taxi und lasse mich zum 435 m hohen Fernsehturm (der 6.höchste weltweit) bringen. Die Aussicht von der Plattform mit dem sich drehenden Restaurant auf 276 m Höhe auf die Millionenstadt ist super, rund um den Turm und im Turm spielt es sich richtig ab, tausende Tehrani verbringen hier ihre abendliche Freizeit bei Musik und Unterhaltung.


Donnerstag, 8.9.

Museen und Paläste mit 100en Räumen sind ja nicht so meins, auch Parkanlagen muss ich nicht unbedingt besichtigen. Mich interessiert viel mehr wieder der Basar, der mit einer Fläche von ca. 2 qkm einer der weltweit größten und für Fahrzeuge nicht leicht erreichbar ist ... Angeboten wird alles, von Stacheldraht bis zum Kugellager und Porzellan-Sicherungen. Und in sehr vielen Geschäften natürlich die unvermeidliche "Qualitätsware" aus China: Rolex-Uhren, Sonnenbrillen, Spielzeug, grässliche Puppen mit zitronengelben Haaren. Toll dafür die vielen Geschäfte mit Produkten aus dem Iran: Gewürze, Gemüse, Obst, Früchte - vor allem Walnüsse und Pistazien. Meine Tragtasche wird immer voller ....

Am späteren Nachmittag kehre ich ins Hotel zurück und bringen Ordnung in meine 2 Koffer, besonders in den mit den Mitbringsel, besuche zum Abschluss noch eine Eisdiele (iranisches Eis ist eine Köstlichkeit!) und ein Kaffeehaus.


Freitag, 9.9.

Um 1 Uhr werde ich munter, die Nacht ist gelaufen. Handywecker und Weckruf um 2 Uhr brauche ich nicht. Das Taxi ist pünktlich um halb 3 beim Hotel, die Fahrt durch das schlafende Teheran zum internationalen Flughafen (52 km) dauert 50 Minuten, die ganze Check-In Prozedur zieht sich fast über 2 Stunden. Natürlich hat mein Flieger Verspätung, wir starten nicht um 5:25 Uhr, sondern eine Stunde später in den Sonnenaufgang.

Beim Umsteigen in Kiew herrscht wieder das übliche Chaos, aber der Abflug war pünktlich. Und um 10:30 stieg ich in Wien aus dem Flugzeug. Das wars. Nur mein Koffer hat sich in Kiew verirrt, er hat es nicht in die Maschine nach Wien geschafft und kommt erst am Abend mit der nächsten Maschine nach und wird mir am Samstag zugestellt.



Mit dem Auto war ich 2.302 Km unterwegs, verbrauchte 165 Liter Benzin um 1.650.000 Rial, ca. 45 Euro, die Einweg-Miete von Teheran nach Schiras kostete 800 EUR.

Die Linienflüge mit der UkrainAir Wien-Kiew-Teheran und zurück kamen auf 195,- EUR (!), der Inlandsflug im Iran kostete 40 EUR, die Hotels auf Basis EZ+Frühstück 690 EUR, umgewechselt und verbraucht habe ich 350 EURO, das Visum kostete inklusive Besorgung 110 EUR und die Zugfahrt Villach-Wien-Villach mit der Sparschiene jeweils 24 EUR.

 

ES WAR EINE GANZ TOLLE UND LEHRREICHE REISE !

DIE LEUTE SIND SEHR FREUNDLICH, OFFEN UND HILFSBEREIT,

IMMER HABEN SIE LUST UND ZEIT FÜR EIN KURZES GESPRÄCH.

DIE STÄDTE SIND SEHENSWERT UND SEHR VIELFÄLTIG.